Stefan Remhof: Auswanderung von Akademikern ins Ausland - Konsequenzen für deutsche Arbeitgeber aus betriebswirtschaftlicher Sicht (16.09.2009)

1. Einleitung

„Deutschland ist ein Auswanderungsland“. Mit dieser Aussage kommentierte das Nachrichtenmagazin WirtschaftsWoche die aktuelle Wanderungsstatistik der Bundesrepublik Deutschland.[1] Den Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge haben im Jahr 2008 nach vorläufigen Angaben 175.000 Deutsche ihr Heimatland verlassen.[2] Dieser Wert entspricht ungefähr der Einwohnerzahl einer mittleren Großstadt wie Saarbrücken. Gleichzeitig sind nur 108.000 deutsche Staatsbürger aus dem Ausland zurückgekehrt.[3]

Verschiedene Studien[4] vermuten, dass sich unter den Auswanderern immer mehr Hochqualifizierte befinden, auf die Deutschland als ein rohstoffarmes Land in besonderer Weise angewiesen ist. Der Migrationsforscher Klaus Bade fasst zusammen: „Es sind die Starken, die gehen, nicht die Schwachen“.[5] So hat die Debatte um die Akademikerauswanderung aus Deutschland sogar inzwischen die internationale Presse erreicht, wie die einflussreiche New York Times mit dem Artikel „Germany agonizes over a Brain Drain“ beispielhaft zeigt.[6] Auch Vertreter aus Politik und Wissenschaft befassen sich verstärkt mit der Migration Hochqualifizierter.[7]

Die statistischen Erhebungen nehmen keine qualitative Erfassung der Auswanderer vor, das heißt, der Ausbildungshintergrund oder die Qualifizierung der Migranten werden nicht gesondert aufgeführt.[8]

Zusätzlich besteht die Schwierigkeit in der Abgrenzung zwischen dauerhafter Auswanderung und einem temporären Auslandsaufenthalt, beispielsweise um ein Projekt vor Ort zu unterstützen oder eine Auslandsniederlassung zu betreuen.

Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, welche Gründe hoch qualifizierte Akademiker zur Auswanderung bewegen. Zudem hat die vorliegende Studie das Ziel herauszustellen, wie sich eine dauerhafte Qualifiziertenabwanderung aus betriebswirtschaftlicher Sicht auf Arbeitgeber auswirkt. Grundlage soll eine vom Verfasser im Jahr 2008 durchgeführte Expertenbefragung sein.

2. Temporäre oder dauerhafte Auswanderung?

Mit dem zunehmenden internationalen Waren- und Dienstleistungsaustausch - ein deutliches Indiz der Globalisierung - hat sich auch der Umfang des internationalen Humankapitalaustausches verstärkt.[9] Es stellt sich zunächst die Frage, was unter dem Begriff Humankapital genau zu verstehen ist. Humankapital umfasst das Wissen und die Kenntnisse, die eine Person besitzt und die die Qualität ihrer Arbeitsleistung bestimmen.[10] Der grenzüberschreitende Austausch von Humankapital ist durch den technologischen Fortschritt und durch verbesserte Kommunikations- und Transportmöglichkeiten inzwischen wesentlich einfacher geworden.[11]

Für die Volkswirtschaft eines Landes ist es von entscheidender Bedeutung, ob es sich bei der Wanderung von Akademikern um einen temporären Aufenthalt im Ausland handelt oder ob der Verbleib in einem anderen Land einen dauerhaften Charakter aufweist. Die temporäre Auswanderung kann nach der Rückkehr des Wandernden einen Nutzen darstellen, wenn zum Beispiel deutsche Arbeitskräfte oder Wissenschaftler im Ausland Erfahrung sammeln und diese nach der Rückkehr nach Deutschland in Unternehmen oder in wissenschaftlichen Institutionen einsetzen.[12] Aus einem zunächst vorherrschenden Abwanderungsverlust kann dann ein Internationalisierungsgewinn sowohl für die wandernde Person als auch für Geber- und Nehmerland werden.[13] Gerade für international aufgestellte Konzerne ist die Auslandsentsendung von Mitarbeitern ein gängiges Instrument, um den internationalen Wissensaustausch zwischen Stammsitz und Auslandsgesellschaften zu forcieren.[14] So ist nach Haug und Sauer (2006) mit der Existenz multinationaler Unternehmen und deren interner Arbeitsmärkte ein Großteil der Wanderung hoch qualifizierter Personen zu erklären.[15] Nach Jahr et al. (2002) ist gerade für Führungskräfte ein Auslandsaufenthalt mit einem Karrieresprung verbunden.[16] Für viele Arbeitgeber sind Auslandserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse wesentliche Einstellungskriterien bei Bewerbern.[17]

Nicht umsonst fördert die Europäische Union mit Programmen wie Erasmus und Sokrates die Mobilität von Hochqualifizierten bereits während der Ausbildung. Auch die Universitäten intensivieren ihre Internationalisierung und den wissenschaftlichen Austausch auf internationaler Ebene.[18]

Der hauptsächliche Fokus des vorliegenden Beitrages soll allerdings auf der dauerhaften Auswanderung von Akademikern, dem so genannten Brain Drain liegen. Brain Drain beschreibt den einseitigen Strom von hoch qualifizierten und sehr gut ausgebildeten Menschen, die ihr Heimatland auf der Suche nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen oder Bezahlung verlassen. Somit lässt sich der Begriff als eine freiwillige internationale Individualmigration (Drain) hoch qualifizierter Arbeitskräfte (Brain) beschreiben.[19] In der öffentlichen Wahrnehmung betraf die Auswanderung von Hochqualifizierten lange Zeit offensichtlich nur ärmere Länder.[20]

Wie viele andere Industriestaaten befindet sich auch Deutschland im Wettbewerb um die „Besten und Intelligentesten“[21] – ein Wettbewerb, der sich mittlerweile auf globaler Ebene abspielt.

Insbesondere Akademiker haben einen wesentlichen Einfluss auf die zukünftige Gestaltung eines vom Industrie- und Dienstleistungssektor geprägten Landes wie Deutschland. Jede politische und öffentliche Debatte zur Auswanderung gerade dieser hoch qualifizierten und leistungsfähigen Arbeitskräfte nährt die Angst, dass die Zukunft des Geberlandes unsicherer wird.[22]

3. Gründe für die Auswanderung

Auf den ersten Blick erscheint die Auswanderung aus Deutschland unverständlich. Van Dalen und Henkens (2007) stellen die Frage, warum Bürger ihr Land verlassen, in dem das Einkommensniveau hoch, der öffentliche Sektor sehr gut ausgebaut ist und ein hoher Lebensstandard viele Einwanderer aus weniger entwickelten Ländern anlockt.[23]

Die Gründe für eine Auswanderung sind äußerst vielschichtig. Grundsätzlich gilt folgende Regel: Personen entscheiden sich zur Wanderung, um den erwarteten Nutzen über ihren Lebenszyklus zu maximieren.  Das bedeutet, dass der Entschluss zum Verlassen des Landes dann fällt, wenn die erwarteten Erträge in einem anderen Land unter Berücksichtigung der Migrationskosten höher sind als im Ausgangsland.[24] Straubhaar (2000) betrachtet die Entscheidung zur Auswanderung als individuellen Such- und Optimierungsprozess.[25]

Diese Nutzenmaximierung muss nicht zwangsläufig finanzieller Natur sein. Die Höhe des Einkommens dürfte für deutsche Akademiker grundsätzlich kein Grund zur Auswanderung darstellen, da die Einkommen im internationalen Vergleich in Deutschland mit am höchsten sind. Von der Unternehmensberatung Towers Perrin wurde im Jahr 2007 ein Vergleich der Jahresbruttogehälter von Teamleitern in Europa ausgearbeitet. Mit knapp 84.000 Euro lagen Teamleiter in deutschen Unternehmen deutlich vor ihren Kollegen aus Großbritannien oder Frankreich, die 72.200 Euro bzw. 67.000 Euro verdienten.[26] Der Karrieredienstleister Experteer kommt zu einem ähnlichen Schluss: Außer in der Schweiz verdienen qualifizierte Führungskräfte in Deutschland am besten.[27] Nur im Finanz- und Bankenbereich wurden – zumindest vor Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise – in Metropolen wie New York oder London für qualifizierte Akademiker höhere Einkommen bezahlt.[28]

Vielmehr ist es die Ausgestaltung von Steuergesetzen und Sozialabgaben, die einen Grund zur Auswanderung darstellen können. Die Bundesregierung erklärte dagegen, dass sich der nominale Spitzensteuersatz bis zum Jahr 2006 mit 42 Prozent auf einem historisch niedrigen Niveau bewegt habe und im Vergleich mit anderen Wirtschaftsnationen sogar im unteren Bereich festgelegt war.[29] Aus subjektiver Sicht kann selbstverständlich jeder Steuersatz als zu hoch eingestuft werden.[30]

In der Schweiz bewegen sich Steuern und Abgaben beispielsweise tatsächlich auf wesentlich niedrigerem Niveau. Eine ledige und kinderlose Person hatte bei Vollzeitbeschäftigung im Jahr 2005 eine Steuerbelastung von durchschnittlich 11 Prozent. Auch die Höhe der Abgaben belief sich auf diesen Wert.[31]

Die Autoren Straubhaar und Wolter (1999) befürworten eine Abschwächung der progressiven Einkommensbesteuerung, die vor allem gut verdienende Akademiker belastet und ihren Auswanderungswunsch verstärken könnte.[32]

Besonders für Akademikerinnen ist die unzureichend funktionierende Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Kriterium, um eine Abwanderung in Erwägung zu ziehen. Nach Höhn et al. (2006) erwarten vor allem Frauen wesentlich schlechtere Beschäftigungschancen im Fall einer (weiteren) Geburt.[33] Kritisiert wird zudem, dass eine gelingende Vereinbarkeit von Kindern und beruflicher Karriere in Deutschland immer noch von günstigen individuellen Umständen abhängt und nicht auf eine systematische Unterstützung durch die Politik zurückzuführen ist.[34] Hierbei spielen auch die erheblichen Unterschiede in den staatlichen Betreuungsangeboten zwischen Städten und ländlichen Regionen eine große Rolle.[35]

Nicht zu unterschätzen im Hinblick auf eine Auswanderungsplanung sind die unzureichende Anerkennung und Akzeptanz, die einige qualifizierte Leistungsträger in Deutschland verspüren. Die immer wieder aufflammende Diskussion um überzogene Gehälter von Führungskräften und Managern zeigt sehr anschaulich, dass Besserverdienende in der Gesellschaft häufig mit Misstrauen konfrontiert werden. In der Bevölkerung ist ein gewisser Neidfaktor erkennbar, der das Klima für gut verdienende Hochqualifizierte in Deutschland eintrübt.[36]

Als wissensbasiertes Land ist Deutschland auf hoch qualifizierte Akademiker, den „Rohstoff der Zukunft“[37] dringend angewiesen, will es auch künftig Wachstum und Wohlstand sicherstellen.

Die oben aufgeführten Auswanderungsgründe, die von Akademikern genannt wurden, zeigen, dass Deutschland seine Attraktivität in einigen Bereichen verbessern muss, um mit anderen Industriestaaten, aber auch den aufstrebenden Ländern Asiens, in einem gesunden Wettbewerb stehen zu können. Nicht nur Finanzkapital reagiert mit Abfluss auf mangelhafte Standortbedingungen, sondern auch wertvolles Humankapital. Vor allem unter den Industrieländern herrscht ein internationaler Wettbewerb um die mobilen Produktionsfaktoren.[38]

Im folgenden Kapital soll dargestellt werden, wie sich die Auswanderung im Allgemeinen auf die deutsche Volkswirtschaft auswirken kann. Wichtiger wird aber die Frage sein, welche Konsequenzen aus betriebswirtschaftlicher für Arbeitgeber durch den Brain Drain entstehen.

4. Betriebswirtschaftliche Konsequenzen für Arbeitgeber

„Die ‚Firma‘ Deutschland hat Personalprobleme“, so der Wissenschaftler Klaus Bade, Vorsitzender des Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration.[39] Tatsächlich bleiben eine dauerhafte Abwanderung von Akademikern und der damit verbundene Abzug von Wissenskapital für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland nicht ohne negative Folgen. Der Humankapitalabfluss schwächt die wirtschaftliche Entwicklung einer Region oder eines Landes und kann einen Einkommensverlust für das Ursprungsland verursachen. Dieser liegt dann vor, wenn die Humankapitalausstattung der qualifizierten Personen über der Kapitalintensität[40] des Landes liegt.[41] Die Befürchtung besteht, dass mit dem Verlust von Hochqualifizierten auch Arbeitsplätze von weniger qualifizierten Arbeitnehmern in Gefahr sein könnten, da eine hoch qualifizierte Person ihrerseits wieder Arbeitsplätze schafft. Zudem könnte Deutschland durch die Emigration hoch qualifizierter Arbeitskräfte seine Wettbewerbsfähigkeit sowie den Status als „Exportweltmeister“ verlieren.[42] Funk und Plünnecke (2005) stellen die These auf, dass fehlende Akademiker die Innovationsfähigkeit des Landes in Frage stellen.[43]

Ein entscheidender Faktor für Arbeitgeber dürfte der durch die Auswanderung resultierende Fachkräftemangel in einigen Bereichen darstellen. Trotz der gegenwärtigen kritischen Wirtschaftssituation können nach wie vor zahlreiche Stellen in bestimmten Branchen nicht besetzt werden, da sich nicht genügend akademische Bewerber finden. Mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent (Stand: 2005) sind Personen mit einem Hochschulabschluss unterdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen.[44] Diese Zahl zeigt anschaulich, dass der Standort Deutschland auf hervorragend ausgebildete Akademiker nicht verzichten kann.

Die Auswanderung Hochqualifizierter verteuert mit der verbundenen Knappheit den Faktor der qualifizierten Arbeit im Geberland, was sich negativ auf die Personalkosten eines Unternehmens auswirkt. Zudem werden auch diejenigen Produkte und Dienstleistungen verteuert, die durch einen hohen Humankapitalanteil gekennzeichnet sind.[45]

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln stellte für das Jahr 2007 den gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsverlust auf, der sich allein durch 70.000 fehlende Ingenieure ergibt. Dieser berechnet sich wie folgt:

Durchschnittliche Ingenieurlücke:                               70.000

durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung

(in Mrd. Euro):                                                             61.000

ingenieurspezifisches Lohndifferenzial im

Vergleich zum Durchschnitt der Erwerbstätigen:             1,69

—————————————————————————-

= gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfungsverlust                          

(in Mrd. Euro):                                                             7,177[46]

Vor allem in den so genannten MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ist der Mangel an akademischen Nachwuchs besonders groß.[47]

Der Verfasser kam bereits vergangenes Jahr zu dem Schluss, dass vor allem diese Akademikergruppen eine Auswanderung erwägen, allen voran Naturwissenschaftler und Informatiker.[48] Der ohnehin schon gravierende Fachkräftemangel und die Suche vieler Unternehmen nach qualifizierten Nachwuchskräften dürften durch diese Auswanderungsneigung zusätzlich verschärft werden.

Der Trend zur Höherqualifizierung von Beschäftigten wird in Zukunft nach Einschätzungen der Deutschen Bundesregierung (2007) weiter zunehmen. Begründet wird dies mit dem Strukturwandel hin zu wissens- und forschungsintensiven Tätigkeiten im Industrie- und Dienstleistungssektor.[49]

Die ausreichende Verfügbarkeit von Humankapital ist also entscheidend für das Wirtschaftswachstum in Deutschland.[50]

Die Deutsche Bundesregierung (2007) erhielt eine Große Anfrage nach den Auswirkungen der Auswanderung von Hochqualifizierten auf die Privatwirtschaft, vor allem vor dem Hintergrund eines Mangels an hochqualifiziertem Personal. In ihrer Antwort verweist die Bundesregierung darauf, über keinerlei Erkenntnisse in dieser Hinsicht zu verfügen. Der Bundesregierung ist dennoch bewusst, dass die Abwanderung Hochqualifizierter die Unternehmen dazu zwingen könnte, auf Ausweichstrategien zurückzugreifen, um Innovation und Wachstum zu sichern. Vorschläge sind in diesem Zusammenhang die verstärkte Aktivierung älterer Arbeitnehmer oder die Umsetzung familienfreundlicherer Arbeitsbedingungen, das heißt, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zudem empfiehlt die Bundesregierung, hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, nicht ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte weiterzubilden oder die Gehälter für Akademiker in Deutschland zu erhöhen.[51]

Diese von der Bundesregierung genannten Ausweichstrategien scheinen zunächst einfach und schnell umsetzbar zu sein. Bei genauerer Betrachtung sind diese Vorschläge in Wirklichkeit für Arbeitgeber und Unternehmen sehr kostenintensiv und nur unter großem Zeitaufwand umsetzbar. Einige der Vorschläge scheitern dazu an gesetzlichen und rechtlichen Hürden. Zwar setzen zahlreiche Unternehmen inzwischen familienfreundlichere Arbeitsmodelle um, die von einer Bereitstellung eines Betriebskindergartens, über flexible Arbeitszeiten hin zu Tätigkeiten, für die von zu Hause aus gearbeitet werden kann, reichen. Deutlich schwieriger hingegen ist die Umsetzung der weiteren Strategien: die Rekrutierung von hoch qualifizierten Akademikern aus Drittstaaten ist an eine Gehaltsuntergrenze von 63.600 Euro geknüpft.[52] Die Weiterbildung nicht ausreichend qualifizierter Arbeitskräfte ist ein Prozess, der zur Realisierung mehrere Jahre in Anspruch nimmt, somit also nicht kurzfristig zur Verfügung steht. Eine Erhöhung der Gehälter in Deutschland würde den Marktprozess der Lohnfindung verzerren. Ein humankapitalintensives Unternehmen wäre zudem möglicherweise mit höheren Gehältern finanziell überfordert. Zudem wurde in diesem Beitrag aufgezeigt, dass nicht die Höhe der Gehälter für Akademiker in Deutschland maßgeblich zu einer Auswanderung beitragen.

5. Fazit

Im vorliegenden Beitrag wurden die Problematik einer dauerhaften Auswanderung von Akademikern aus Deutschland und die damit verbundenen betriebswirtschaftlichen Konsequenzen für Arbeitgeber aufgezeigt. Es wurde herausgestellt, dass Gegenmaßnahmen von Unternehmen kurzfristig nur schwer umsetzbar sind. Vielmehr sind politische und gesellschaftliche Instrumente gefragt, um den Standort Deutschland im „Wettbewerb um die klügsten Köpfe“ nicht zu den Verlierern gehören zu lassen. Eine wichtige Fragestellung bleibt das Ausmaß der Auswanderung und ihr Einfluss auf den Fachkräftemangel.

 

[1] Vgl. Große Halbuer (2009), S. 13

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt (2009)

[3] Vgl. ebd.

[4] So zum Beispiel Schupp et al. (2005), S. 279 oder Pfeiffer/Heimer (2008)

[5] Bade (2007), S. 12

[6] Landler (2007), Online

[7] Vgl. Ackers (2004), S. 189; auch der Deutsche Bundestag befasste sich bereits zwei Mal (2004 und 2007) mit dieser Thematik.

[8] Vgl. Backhaus et al. (2002), S. 1 oder Schupp et al. (2005), S. 279

[9] Vgl. Lim (1992), S. 134

[10] Vgl. Dillemans (1988), S. 127

[11] Vgl. Kritz/Zlotnik (1992), S. 1

[12] Vgl. Meiländer (2007), Online

[13] Vgl. Enders/Bornmann (2002), S. 63

[14] Vgl. Straubhaar (2000), S. 27

[15] Vgl. Haug/Sauer (2006), S. 20

[16] Vgl. Jahr et al. (2002), S. 17

[17] Vgl. Morano-Foadi (2005), S. 145

[18] Vgl. hierzu Teichler (2007)

[19] Vgl. Jahr et al. (2002), S. 13f.

[20] Vgl. Wolburg (2007), S. 79

[21] Dieser Ausdruck stammt aus der englischsprachigen Literatur und wurde ursprünglich als „the best and the brightest“ aufgeführt (vgl. Batalova/Lowell (2006), S. 81).

[22] Vgl. Van Dalen/Henkens (2007), S. 41

[23] Vgl. ebd., S. 38

[24] Vgl. Wolburg (2004), S. 94

[25] Vgl. Straubhaar (2000), S. 11

[26] Vgl. o. V. (2007), S. C5

[27] Vgl. Experteer (2008), S. 2

[28] Vgl. Remhof (2008), S. 49

[29] Vgl. Deutsche Bundesregierung (2007), S. 7

[30] Vgl. Remhof (2008), S. 51

[31] Vgl. Landtag von Baden-Württemberg (2007), S. 10

[32] Vgl. Straubhaar/Wolter (1999), S. 13

[33] Vgl. Höhn et al. (2006), S. 34

[34] Vgl. ebd., S. 75

[35] Vgl. Remhof (2008), S. 52

[36] Vgl. ebd., S. 53

[37] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006), S. 34

[38] Vgl. Straubhaar/Wolter (1999), S. 13

[39] SVR (2007), S. 1

[40] Die Kapitalintensität gibt an, wie hoch die Kapitalausstattung je Arbeitsplatz ist.

[41] Vgl. Wolburg (1999), S. 59

[42] Vgl. Remhof (2008), S. 64

[43] Vgl. Funk/Plünnecke (2005), S. 1

[44] Vgl. IW Köln (2008), S. 133

[45] Vgl. Wolburg (1999), S. 61

[46] Vgl. Klös (2008), S. 27

[47] Vgl. Volkery (2007), Online

[48] Vgl. Remhof (2008), S. 68

[49] Vgl. Deutsche Bundesregierung (2007), S. 32

[50] Vgl. Plünnecke (2004), S. 1

[51] Vgl. Deutscher Bundestag (2007), S. 33

[52] Vgl. Große Halbuer (2009), S. 13

 

Über den Autor:

Stefan Remhof ist studierter Diplom-Betriebswirt. Er befasste sich mit den Arbeitsbedingungen deutscher Ärzte im Ausland. Im Jahr 2008 erschien sein Buch „Auswanderung von Akademikern aus Deutschland – Gründe, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen“ (Tectum Wissenschaftsverlag, Marburg). Derzeit ist er Doktorand an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. In seiner Dissertation erforscht er die Auswanderungsneigung von examensnahen Studierenden aus Deutschland.

 

Literatur:

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